Die Entstehung der Freiwilligen Feuerwehr Gschwend

 

Schon nach dem großen Brand im Jahre 1857, bei welchem über 30 Häuser, worunter auch die Kirche und Schule ein Raub der Flammen wurden, hat der damalige Ortsvorsteher den Antrag auf Errichtung einer Feuerwehr gestellt. Dieser wurde jedoch wegen der schlechten Finanzlage nicht entsprochen.

Als nun am 2. September 1874 wieder ein großer Brand ausbrach, welcher wiederum eine größere Ausdehnung anzunehmen drohte, wurde der Mangel einer Feuerwehr erkannt und hierauf von den Gemeindekollegien die Errichtung einer solchen am 9. November beschlossen.

Von den hierzu berufenen Organen wurden die nötigen Vorbereitungen getroffen und die Satzung entworfen. Nach deren Genehmigung fand am 1. Juli 1875 die Aufstellung der Feuerwehr statt, wobei außer den Führern über 130 Mann eingeteilt wurden. Die Feuerwehr bildete sich bald zu einer guten Organisation aus, welche in der langen Zeit innerhalb und außerhalb der Gemeinde bei zahlreichen Bränden hilfreich eingreifen konnte. Vor der Errichtung der Feuerwehr befand sich hier als Feuerlöschgerät eine fahrbare Spritze aus dem Jahre 1837, welche Eigentum der Amtskooperation Gaildorf war und von der Gemeinde erworben werden mußte.

Altes Spritzenhaus

Im Jahr 1878 wurde eine neue Saugfeuerspritze gekauft. Eine 10 Meter hohe Bockleiter war schwer zu handhaben und so war der Wunsch der Feuerwehr eine mechanische Leiter anzuschaffen.

Dieser Wunsch wurde im Jahr 1924 erfüllt. Durch die ständige Verbesserung der Löscheinrichtungen hat sich der Bedarf der Feuerwehrmannschaften stark verringert. Bei der Umstellung der Pflichtfeuerwehr in eine Freiwillige Feuerwehr im Jahr 1936 wurde der Mannschaftsstand auf 55 Mann bestimmt. Die veraltete Saugfeuerspritze wurde 1937 durch eine Tragkraftspritze ersetzt.

Auch der II. Weltkrieg hat bei der Feuerwehr schwere Lücken hinterlassen. 7 Feuerwehrkameraden kehrten von den Schlachtfeldern nicht mehr zurück. Infolge der Kriegsereignisse kam auch die Tragkraftspritze abhanden. Da der Gemeinde zur Anschaffung von neuen Geräten die notwendigen Mittel fehlten, wurden zunächst gebrauchte Spritzen und Fahrzeuge beschafft.

In der 2. hälfte der 50er Jahre wurde die Zuständigkeit der Stützpunktwehren des Kreises Backnang für die umliegenden Gemeinden festgelegt. Dadurch wurde Gschwend 1956 nach der Beschaffung der Tanklöschfahrzeuges TLF 15 die Überlandhilfe für die Gemeinden Altersberg, Frickenhofen und Kirchenkirnberg übertragen.

TLF 15

Die Teilorte Honkling und Wildgarten, damals zu Unterrot gehörig, wurden von der Stützpunktwehr Gaildorf betreut. Nach der Gemeinde- und Kreisreform war Gschwend neben den inzwischen eingegliederten Gemeinden Altersberg und Frickenhofen auch für die Nachbargemeinden Eschach, Ruppertshofen und Spraitbach zuständig. Letztere Gemeinde wurde nach dem Bau eines Hochhauses Schwäbisch Gmünd zugeschlagen, da Gschwend über kein Leiterfahrzeug verfügte. Mit den Wehren der Nachbargemeinden herrscht eine gute Zusammenarbeit, was nicht zuletzt die gemeinsamen grenzüberschreitenden Übungen und Einsätze beweisen. Nachdem die Gschwender Wehr nun eine Stützpunktwehr war, wurde die Beschaffung weitere Löschfahrzeuge notwendig, was nur durch die finanzielle Unterstützung von Kreis und Land möglich war.  

Im Jahre 1963 wurde der Kreisfeuerwehrtag in Gschwend gefeiert. Mit der Übergabe des Löschgruppenfahrzeuges (LF 8 TS) konnte die Schlagkräftigkeit der Gschwender Wehr wesentlich verbessert werden. Nur ein Jahr später wurde klar, wie wertvoll die damalige Anschaffung war. Ein Großbrand bei der Firma Kunz & Co löste in der Nacht einen Großalarm aus. Die sogenannte Bähre-Anlage im Spanplattenwerk I wurde ein Raub der Flammen. Der damals geschätzte Schaden war knapp eine Million Mark. Nur durch schnelle Hilfe der Gschwender Floriansjünger konnte schlimmeres verhindert werden.

1973 wurde von der Gemeinde Gschwend ein neues Feuerwehrfahrzeug angeschafft. Das Löschgruppenfahrzeug LF 16 TS war zur damaligen Zeit mit den modernsten Geräten ausgestattet, um eine wirksame Brandbekämpfung zu ermöglichen. Zu der Zeit wurde im Zuge der Kreisreform der Kreisfeuerwehrverband Backnang, bei dem die Gemeinde Gschwend Mitglied war, aufgelöst. Aufgrund dieser Änderung wurde die Freiwillige Feuerwehr Gschwend den Kreisfeuerwehrverbänden Schwäbisch Gmünd, Aalen und Ellwangen später Ostalb zugeordnet.

LF 16 TS

Im Jahre 1975 wurde in Gschwend der Kreisfeuerwehrtag zum 100-jährigem Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr gefeiert. Die Gesamtwehr hatte eine Mannschaftsstärke von 158 Mann. Sie verfügte über fünf Löschfahrzeuge. Mit einem Festzug und verschiedenen Attraktionen rund um die Feuerwehr wurden diese Festtage gebührend gefeiert. 

1977 erhält die Gemeinde Gschwend zur effektiveren Alarmierung eine stationäre Funkstation im Feuerwehrmagazin und die ersten Funkmeldeempfänger. Des weiteren wurde eine Rettungsschere für diverse Einsatzbereiche angeschafft. Im selben Jahr wurde die Jugendfeuerwehr gegründet, um eine Perspektive für Jugendliche in der Feuerwehr anzubieten.

Zwei Jahre später bekam die Freiwillige Feuerwehr in Gschwend ein neues Tanklöschfahrzeug TLF 16. Durch diese Anschaffung konnte die Schlagkräftigkeit der Stützpunktwehr Gschwend wesentlich verbessert werden. Aufgrund des mitgeführten Wasservorrats und der Technischen Geräten konnte eine noch schnellere Brandbekämpfung bzw. technische Hilfeleistung erfolgen. Im selben Jahr fand die Emanzipation in der Feuerwehr Gschwend statt. Die ersten 3 Damen konnten in die Wehr und ein Mädchen in die Jugendfeuerwehr aufgenommen werden.

TLF 16

Im Jahre 1983 fand die Einweihung des erweiterten Gerätehauses, verbunden mit einem Tag der offenen Tür, statt. Hier konnte die Bevölkerung die Geräte und Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr begutachten.

1984 wurde die erste Frau in der Feuerwehr in Gschwend zum "Oberfeuerwehrmann" befördert.

Im Jahre 1993 bekam die Freiwillige Feuerwehr ihr lange ersehntes Löschgruppenfahrzeug LF 16/12. Durch diese Neuanschaffung wurde die Schlagkräftigkeit der Stützpunkt in Gschwend um Beachtliches erhöht. Dieses Fahrzeug ist bis heute das Erstfahrzeug für alle Einsatzfälle. Im selben Jahr wurde das Feuerwehrmagazin komplett renoviert.

LF 16/12

Nach der Eingliederung der Gemeinden Altersberg und Frickenhofen und der Ortsteile Honkling und Wildgarten verfügt nun heute die Feuerwehr über 102 Mann und 5 Löschfahrzeuge. In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, daß die Wehren der ehemaligen Gemeinden Altersberg bereits 138 Jahre, die ehemaligen Gemeinde Frickenhofen ebenfalls über 125 Jahre bestehen.

(Auszug aus der Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum vom 26.- bis 28. Mai 2000)

 

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